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Heinrich von Nippenburg

Ritter Heinrich von Nippenburg

Seid gegrüßt ihr  Männer  und Frauen des Landes!

 

Ich bin Heinrich von Nippenburg, der zweitgeborene Sohn von Konrad von Nippenburg und Elisabeth von Luitgart!

 

Sicher habt ihr schon von meiner Familie gehört, die schon des Öfteren bei den großen Reiterspielen feiert wurden.

Mein Großvater, Eberhard von Nippenburg, ging  sogar als Sieger der hochberühmten Welfenspiele hervor, die im Jahre 1165n.CH in Zürich abgehalten wurden!

 

Geboren wurde ich 1208 auf der schöne Burg meiner Familie in der Nähe des Dörfchens Schwieberdingen unweit der bekannten Burg der Grafen von Asperg, wo ich auch einen großen Teil meiner Kindheit verbracht habe…...und ich muss euch sagen…es war eine herrliche Zeit! So bietet doch unsere Nippenburg und ihre Umgebung mit ihren Wäldern und Wiesen, des Flüsschens Namens  Glems und die Sümpfe ein herrliches Gelände für Abenteuer und Streiche jeglicher Art!!...Aber das ist eine andere Geschichte…

Doch  endete diese schöne Zeit, mit dem leider  viel zu frühen Tod meines Vaters, der im Jahre 1215, an den Qualen des Antoniusfeuers starb.

Mein Bruder, der als erstgeborener die Nachfolge für sich beanspruchte, war der Meinung,  dass es nun für mich an der Zeit sei, dass endlich der ernst des Lebens beginne… und schickte mich auf die Burg der Grafen von Asperg.

Trotz mehrfachen Unterredungen, mit meiner Mutter ließ er sich von ihr nicht umstimmen!

 

Und so begann für mich eine harte Zeit!

Die Zeit meiner  Pagen - Ausbildung… fern ab meiner lieben Mutter und unserer schönen Burg.

Ständig wurde ich gemaßregelt…musst mir Vorschriften machen lassen, wie ich mich bei Tisch, den Damen gegenüber zu verhalten habe, wie ich Schach zu spielen habe und lauter so unnützes Zeug

Doch nicht alles war schlecht und unangenehm! So machte es mir doch unwahrscheinlich  Spaß, mich mit den anderen Jungs am Hofe im Reiten, Schwimmen, Springen, Klettern, Ringen, Bogenschießen und im Steine werfen zu messen. Vor allem lernte ich endlich den richtigen Umgang mit den Pferden, den Falken und viel über die Jagd, was mich auch heute noch immer wieder fasziniert.

Kurz nach meinem 14. Geburtstag bekam ich meinen Knappentritt. Sprich…ich bekam von meinem Herrn, einen symbolischen Tritt in meinen Allerwertesten, der mich von meinem Pagen-Dasein befreien und mich zum Knappe befördern sollte… die nächste Stufe in meinem Werdegang zum Ritter, bei der  ich Anfangs, meine bisherigen Kenntnisse noch weiter verfeinern , aber von nun an sogar, noch mehr lernen und Verantwortung übernehmen sollte. Es war am Anfang nicht leicht mit der Feder zu schreiben ohne dabei mein Pergament zu beklecksen, was jedes Mal mit einem Satz Ohrfeigen „honoriert“ wurde, und ich dann wieder von vorne Anfangen durfte!

Aber mit der Zeit fand ich gefallen am Schreiben  und vor allem am lesen der alten Bücher.

Von nun an wurde ich auch mit der Heraldik vertraut, um auf den Turnieren auch die Teilnehmer in ihren Rüstungen, an den Familienwappen, erkennen zu können….und ich lernte endlich den Umgang mit richtigen Waffen. Ich durfte meinen Herren bei den Verhandlungen begleiten, um zu lernen und Kontakte an den Höfen zu knüpfen, was mir auch heute noch oft zu gute kommt!

Auf Dränge meines Bruders erhielt im Mai des Jahres  1228 meine Schwertleite schon ein Jahr früher als üblich.

Mein Bruder war der Meinung ich hätte mich jetzt lange genug am Hofe vergnügt während unsere Ländereien immer weiter verkommen und im Land nach der letzten Missernte immer mehr Unruhen aufkommen.

Ich kann Euch sagen…es war ein wahrlich erhebendes Gefühl nun endlich dazu zu gehören! Doch Tradition hin oder her…auf den sogenannten „Ritterschlag“ hätte ich gut und gerne verzichtet. So war er doch  nichts weiter als ein Schlag ins Gesicht und sollte der letzte unerwiderte Schlag im Leben des neuen Ritters darstellen. Auf dass er diesen Tage und damit seine neu übernommen Pflichten für immer in Erinnerung behalten möge! Welch hanebüchener Unsinn! Da könnte man ja ebenso den Brautschlag einführen! Auf dass die Braut diesen schönen Tag und ihre eheliche Pflichten für  immer in guter Erinnerung behalten möge! Was wohl auch bei so manchem törichten Weib auch wahrlich angebracht wäre !

 

Von diesem  Tag an wurde mir auch, die Verwaltung der Lehen im Raum Waiblingen, Backnang und  Wolfsölden mit all ihren Rechten und Pflichten übertragen. So zog ich mit meinen Mannen auf die Burg in Backnang. Dem gemütlichen Örtchen, das erst vor einigen Jahren zur Stadt ernannt wurde und nun schon zu einer ansehnlich kleinen Stadt mit fast fertiger Stadtmauer angewachsen ist!

Mit viel Glück und den guten Kontakten zu den Höfen in der Umgebung ist es mit schließlich gelungen wieder Ruhe in die Lehen zu bringen und aus ihnen wieder zu recht profitablen Ländereinen zu machen!

Ich hätte mich nun zurücklehnen  und die Lorbeeren meiner Arbeit genießen können…jaaa…wenn sich nicht am Morgen des 26. März im Jahre 1235 die Mannen des Heinrich von Neuffen von der Nahen Burg Winnenden auf den Weg gemacht hätten, unser schöne Städtchen zu “besuchen“! Doch deren Absichten lagen auf der Hand. Der Gründer des „Städtchens“ Hermann V. von Baden war gerade anwesend. Da er gute freundschaftliche Verbindungen zu unserem ebenso herannahenden Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen hegte, war er somit erklärter Gegner dessen Sohnes König Heinrich. Der wiederum beauftragte Heinrich von Neuffen unsere Stadt zu belagern!.. und wir sollten die Leittragenden des Vater-Sohn-Konflikts spielen.

Doch da konnte ich nicht abwarten und tatenlos zuschauen. Ich ritt mit meinen Mannen durch die Täler zum Nahen Wolfsölden um mit verstärkter Mannschaft schnellst möglich den kaiserlichen Truppen in der Nähe der Reichsstadt Esslingen, entgegen zu reiten.

Gott sei Dank wurden wir nach Erklärung der Dringlichkeit der Lage, sogleich zum Kanzler geleitet. Er empfing uns mit besorgter Mine im Gesicht, die  sich während unserer Schilderung der Lage mehr und mehr in Zorn umschlug  und er schließlich wütenden Schrei aus stieß. Er ließ seinen Hauptleute rufen, die uns so schnell wie möglich, mit Bogenschützen und schweren Reitern  nach Backnang geleiten sollten.

Beim herannahen war am abendlichen Himmel schon von weitem die Brände in der Stadt zu sehen. Aber es waren auch versprengte Reiter der gegnerischen Truppen zu sehen, die uns wohl schon von weitem erkannt  und ihr Heil in der Flucht gesucht haben. Leider wurden nur wenige von ihnen von den kaiserlichen- sarazenischen Bogenschützen erfasst! Doch ich war mir sicher, auch der Rest würde für den Überfall bald büßen!

In der Stadt bot sich uns ein trauriger Anblick! Viele Tote und Verletzte, lagen in den Straßen! Darunter viele Frauen und Kinder. Die noch nicht einmal fertig gestellte Stadtmauer war zum größten Teil wieder zerstört die Häuser dahinter und der Chorherrenstift waren ein einziges Trümmerfeld!

Doch so schien es, wurde durch die baldige und unerwartete Ankunft der kaiserlichen Truppen wohl noch schlimmeres verhindert! Das Spital,  die Burg, und große Teile der Stadt blieben fast unbeschadet.

Um zu verhindern dass die Angreifer des nächtens ihr „Werk“ an der nun schutzlosen Stadt vollenden, beschloss, die Mannschaft, noch einige Tage in der Stadt zu verweilen.

Nach Einteilung der Wachen, an der Zerstörten Stadtmauer wurde der Rest der Mannschaft auf der  Burg einquartiert und die Hauptleute saßen zu Speis und Tank an unserer Tafel in unseren bescheidenen Gemächern.

Sie berichteten, von einer bevorstehenden Schlacht im Swiggertal auf die sich ihre Mannschaft, gerade rüste. Dabei versuchten sie mir so nach und nach die Teilnahme an diesem Kampf, „schmackhaft“ zu machen. Zugegeben, die zur Belohnung, ausstehenden  Lehen, wären eine sehr verlockende Sache gewesen. Doch ehrlich gesagt, stand mir der Sinn im Moment, nicht danach in der momentanen Situation wegen eines „Abenteuers“ meine Lehen ungeschützt zu lassen.

Nach dem Essen bat mich der anwesende Abt, ihn auf ein Wort vor die Tür zu begleiten. Etwas verwundert folgte ich ihm. Doch die Blicke des ehrwürdigen  Vaters ließen mich schon ahnen, dass  kein angenehmes Gespräch folgen würde. …

..und so ließ mich der ehrwürdige Vater auch gleich wissen, dass es mit meinem Seelenheil, wohl nicht gerade zum Besten stehen würde.

Es sein ihm nicht verborgen geblieben, dass es bei diesem  plötzliche Aufschwung unserer Lehen und in unseren Kassen angeblich nicht immer mit rechten Dingen zugehen würde! So kam das Gespräch auch auf den einen oder anderen durchreisenden Bernsteinhändler, den ich in unseren Straßen beim Handel mit gefälschten Gewichten erwischt habe und deren Ware ich zur Strafe beschlagnahmt habe und sie anschließend aus der Stadt werfen ließ! Es gab wohl die eine oder andere Beschwerde an die Obrigkeit, die allerdings schnell verworfen wurde. Aber es gab, so meinte er, auch ein paar wachsame Augen, die die Sache trotzdem im Auge behalten habe und auch die Gewichte der Händler kontrolliert habe. …und so sei es nun endlich mal an mir Buße zu tun.   

Es sei nun an mir, und nur  gerecht, die Frevler die das Gotteshaus zerstört haben, zu Rechenschaft zu ziehen, und  für „Spenden“ zum Wiederaufbau des Gotteshauses, zu sorgen und somit die  Seele  meines armen Vaters…Gott habe ihn selig!…und die meinige,  vor dem Fegefeuer zu bewahren.

So blieb mir wohl auch keine andere Wahl, als der Mannschaft mit wehenden Fahnen und voller Begeisterung zu folgen, die diesen Sinneswandel zwar verwundert, aber doch mit Freude aufnahmen.

Doch im Nachhinein gesehen so muss ich sagen…ich bereue es nicht! Es hat sich wahrlich gelohnt!

Ich kann euch sagen…es war ein wahrlich eindrucksvolles Erlebnis, einmal in der Nähe es Kaisers zu weilen, einmal diese sonderbaren großen Tiere vor allem, die großen, gelben, braun gefleckten  Tiere,   mit den langen Hälsen von nahem zu sehen, von denen schon so einige Leute zu berichten wissen! Die treffsicheren sarazenischen Bogenschützen zu erleben und vor allem die bezaubernden, wunderschönen sarazenischen Tänzerinnen zu sehen…. aber das beste was ich aus diesem, eigentlich ungewollten Feldzug mitgebracht habe, sind trotz der schweren Zeiten, schöne Erinnerungen an die gut Kameradschaft im Feldlager, die neuen guten Freunde, die ich nimmer missen möchte…zu denen ich auch heute noch gute Kontakte hege!

 

Wenn ihr also eines Tages auf einem Feldlager, die Fahnen der Herren von Tiefenbach, derer von Baldenstein, derer von Killinger und derer von Nippenburg erblickt, so tretet näher und seit unser Gast!

 

Gehabt euch wohl

 

Heinrich von Nippenburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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